mission statement

Als ich 2006 recht unvermittelt vom Radsport zum Triathlon, entdeckte ich eine wundervolle neue Welt. Gleichzeitig musste ich aber auch recht schnell feststellen, dass ich noch nie annähernd so viele komplexbeladene und spaßbefreite Hobbyathleten wie hier getroffen habe.
In Folge dessen entstand – quasi als Gegenlehre – meine Philosophie eines entspannten, teilweise selbstironischen Zugangs, der zur Rückbesinnung auf die drei wichtigsten Aspekte dieses Sports ermahnen sollte:

 

 

posing, porn & triathlon

 

 

Posing steht zum Einen für den allgemeinen Körperkult, für das Pflegen, Zur-Schau-Stellen und Inszenieren der gestählten Brust. Zum anderen darf es auch als Aufruf zu mehr Style im Triathlon (sofern man davon in einer Sportart, in der noch vor weniger Jahren Männer in Damenbikinis herumgelaufen sind, überhaupt sprechen darf) verstanden werden.
Aus einer Gruppe Radfahrer stechen Triathleten hervor wie die Dauer-Sieganwärter einer Bad-Taste-Party: Lange schwarze Bürosocken über unrasierten Beinen, rote Hose, blau-gelbes Tri-Top, dazu ein neongelber Calimero-Helm und ein € 7.000,- teures Zeitfahrrad, welches dank Geriatriepatienten-Sitzposition und allerlei unnötigem Krimskrams wie WC-Ente (vulgo Aerodrink) und Bentobox bis zur Unkenntlichkeit entstellt wird.
Die vermeintlich stilsichere Alternative aus schwarz und weiss, die ganz Gewagte vielleicht noch mit rot kombinieren, entpuppt sich spätestens beim ersten Wettkampf, wenn 99% der Gegner im selben Kellnerkostüm auftauchen, als kaum bessere Wahl. Deshalb: Stil finden oder notfalls Partner oder Mama fragen. Zur Hochzeit geht man schließlich auch nicht in Ruderleibchen und Tennissocken.

Und noch etwas: Hört bitte endlich auf, allem und jedem „ICH BIN TRIATHLET, SEHT HER UND PREISET MICH!“ an den Kopf zu werfen. Es gibt nichts Peinlicheres als einen Menschen, der mit Kompressionssocken, Finisher-T-Shirts, Ironman-Rucksack, Visor-Cap und grellen Asics Noosa Laufschuhen durch die City schlendert. Oder im Tri-Zweiteiler zwischen einer Horde „Desperate Housewives“ durch die Yoga-Stunde im Fitness-Club hampelt. Das wirkt nicht anziehend, sondern im besten Fall skurril.

 

 

Porn wird oft missverstanden: Hier geht es um Materialfetischismus; um Equipment, zu dessen Beschreibung alleinig das Adjektiv „très porneuse“ gereicht. Selbst wenn ich wollte, könnte ich nicht mit dem Radfahren aufhören (mit dem Schwimmen vermutlich schon…), weil das Rad als Fortbewegungsmittel und technischer Gegenstand ansich von so unsagbarer Anziehungskraft und Schönheit ist, dass es besessen und bewegt werden will. Wer schon einmal die feinen handgefertigten Titanmuffen eines Merlin oder das Schimmern der UD-Carbonfasern in einem Simplon Mr. T gesehen hat, weiss was ich meine. Auch das Wummern einer Garnitur Xentis TT-Carbonlaufräder kann süchtig machen und erhebt einen in völlig neue Sphären der Glückseligkeit.
Aber auch den Geruch neuer Wettkampfschuhe oder das Haifisch-artige Durchschneiden des Wassers im neuesten Neoprenanzug wollen wir nicht vergessen. Mit „Porn“ wollen wir dieser Faszination Rechnung tragen.

 

 

Triathlon – da war doch noch was, genau. Nachdem das Gros von euch ihr Geld vermutlich nicht als Triathleten verdienen muss, solltet ihr den Sport als das sehen, was er ist: ein Hobby. Und als solches darf und sollte es Spaß machen. Natürlich ist nicht jede einzelne Sekunde ein Vergnügen, aber am Ende des Tages sollte man dennoch mit einem Lächeln aufhören. Zuviele sind zu verkrampft und verbissen; meinen, nur Selbstkasteiung und Entbehrung führen zum Erfolg; versuchen, alles und jeden zu überzeugen was für ein toller Hecht man doch nicht sei, bloß weil man jetzt im Lycrakostüm durch den Wald hüpft. Doch gerade damit verbaut man sich seinen Weg und reibt irgendwann an.
Mit der richtigen Lockerheit, etwas Selbstreflexion und -ironie kommt man viel leichter an sein Ziel. Also entspannt euch und denkt daran, dass für die meisten Menschen auf der Straßen Triathlon immer noch „das mit dem Skifahren und Schießen“ ist.

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